GALERIE PARISA KIND

Kaiserstrasse 4 /2. Etage
D 60311 Frankfurt/Main

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Di - Sa: 12 - 17 Uhr

info@parisakind.de

 

 

Upcoming exhibition:

Joep van Liefland

Mehr Video-Technik

opens April 21, 7-9 pm

Exhibition dates: April 22 - May 27, 2017

 

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artists
Julien Bismuth
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Zoi Gaitanidou
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Joep van Liefland
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UPCOMING ART FAIR PARTICIPATIONS:

ART COLOGNE / NEUMARKT COLLABORATIONS: Mike Bouchet & Paul McCarthy, 26. - 29. April 2017

 

 

 

 

 

Joep van Liefland

Mehr Video-Technik

April 21 - May 27, 2017

 

Interviewausschnitt zwischen Joep van Liefland und Frank Henkel (ehemaliger Landesvorsitzender der CDU Berlin)

 

J.v.L: Auf einem Wahlplakat der CDU, das letztes Jahr in Berlin zu sehen waren, haben Sie für mehr Video-Technik geworben. Warum? Video hat doch schon ausgedient.

 

F.H.: Stimmt, Video ist bereits ausgestorben und weltweit entsorgt. Es gibt aber immer noch Kassetten, die rumliegen; Untote der heutigen Gesellschaft. Wir arbeiten an einem Wiederauferstehungsprogramm.

 

J.v.L: Was haben Sie vor?

 

F.H.: In der Zukunft sollen alle Videofilme zum neuen Leben erweckt und 3-dimensional begehbar sein, mitsamt Bildstörungen. Eine Art Jurassic Park für Videos. Die Vergangenheit wird dann zur Realität. Aus der Zukunft betrachtet, werden Videofilme so zu einem Portal, zur Geschichte der Menschheit. Wir glauben, dass dieses Modell der Wirklichkeit im Sinne von zwischenmenschlichen Beziehungen, Träumen, Fantasien und Sehnsüchten näher kommt als herkömmliche staatliche oder akademische Geschichtsschreibung.

 

J.v.L: Sie möchten also das Alte neu beleben?

 

F.H.: Es geht darum, das Alte neu zu denken. In Zeiten technologischer Akzeleration ist das Neue schon veraltet, bevor es überhaupt angefangen hat. Wir leben in einem permanenten Zustand von Überalterung, den wir aber Neuerung nennen. Man kann das in der Kunst oder in der Politik gut beobachten.

 

J.v.L: Also keine Nostalgie?

 

F.H.: Keine Nostalgie, aber Programm! Wer die Vergangenheit versteht, beherrscht die Zukunft. Dabei ist Video das Urmodell aller digitaler Technologie: die Transformation der Realität zur Information und das bildliche Festhalten ihrer. Das Entscheidende dieser Technologie ist die Logistik oder Verschiebung von real-time Information in die Raum-Zeit. Man hat also eine prototypische Zeitmaschine entwickelt, ohne dies damals erkannt zu haben. Ein Wendepunkt in der Geschichte.

 

J.v.L: Apropos mehr Video-Technik: Wie stehen Sie zu Flachbildschirmen?

 

F.H.: Flachbildschirme sind großartig und außerdem äußerst praktisch. Man könnte ganze Städte damit bauen, Innen- und Außenräume, Autobahnen, Tunnel, Museen usw. Es stellt sich nur die Frage, was darauf zu sehen ist.

 

J.v.L.: Bilder etwa?

 

F.H.: Wir von der Partei sind nicht interessiert an Bildern. Es gibt schon genug Bilder und Werbung im öffentlichen Raum. Wir interessieren uns für das Wesen der Bilder - der Information. Das Signal ist die Essenz. Wir stehen für Störung und kompletter Auflösung des piktorialen Materials. Man soll dies nicht mit Abstraktion verwechseln. Gleichzeitig ist uns die Rückkopplung der elektronischen Realität in die analoge wichtig. Wir bauen die Notausgänge von Morgen.

 

J.v.L: Wie meinen Sie das?

 

F.H.: Die ultimative Konsequenz von mehr Video-Technik ist die Obsoleszenz aller Materie. Das bedeutet die komplette Auflösung aller materiellen Bereiche in der Welt des Videos. Wenn am Ende diese gesellschaftliche Wandlung allumfassend ist, und alles, inklusive wir, auf riesigen VCR-Speichersysteme festgehalten sind, ist die Verbindung zu einer materiellen Welt kaum mehr herzustellen. Das Stoffliche wird dann zur neuen Utopie, und dies käme eine Umkehrung aller Werte gleich. In dieser Situation braucht man unbedingt Notausgänge um den Kontakt zur Realität, falls diese noch vorhanden ist, herzustellen. Besser man fängt gleich damit an, sie zu bauen.

 



 


Joep van Liefland: exhibition image